Die Laborwerte der Schilddrüse

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Was sagen mir die Laborwerte der Schilddrüse?

Schilddrüsenhormone – sind, wie alle anderen Hormone auch, Botenstoffe, die in diesem Fall von der Schilddrüse gebildet und ausgeschüttet werden.

Eine Störung der Schilddrüsenfunktion kann eine der folgenden Ursachen haben:

  • Störung der Funktion der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse)
  • Störung der Funktion in der Schilddrüse selbst

In den meisten Fällen wird die Funktion der Schilddrüse vom Arzt in zwei Schritten untersucht. Als erstes wird der TSH-Wert bestimmt, ist dieser verändert, werden in der Folgeuntersuchung auch fT3 und fT4 bestimmt.

Wie genau die Werte liegen, lässt Rückschlüsse auf die Art der Störung zu. Weitere Hinweise erhalte ich über die Messung der morgendlichen Körpertemperatur über einen Zeitraum von 7 Tagen.

HINWEIS: Eine Störung der Schilddrüsenfunktion kann mit Störungen anderer Hormonbildender oder Hormonausschüttender Organe einher gehen – z.B. mit der Funktion der Nebennierenrinde, die das Cortisol (Stresshormon) ausschüttet.

Welche Hormone sind wichtig bei der Diagnostik?

TSH = Thyreopropin
(Thyreoidea stimulierendes Hormon)

Der Referenzbereich der meisten Labore:
0,5-2,0 mU/l – unter Hormonsubstitution, ohne Hormoneinnahme liegt der Wert bei Erwachsenen normalerweise etwa zwischen 0,40 und 4,0 mU/l. 

TSH (TSH basal) wird von der Hirnanhangdrüse ausgeschüttet und gelangt über das Blut zur Schilddrüse.

Der TSH-Wert im Blut sagt etwas über die Schilddrüsenfunktion aus. Wenn die Schilddrüse in ihrer Funktion eingeschränkt ist, werden veränderte TSH-Werte gemessen.

Viele Ärzte sehen den TSH-Wert als aussagekräftig genug an, um die Schilddrüsenfunktion zu beurteilen. Daher wird oft nur der TSH bestimmt. Dieser Meinung kann ich mich nicht anschließen. Aus meiner Sicht ist der TSH deutlich weniger aussagekräftig als die Werte fT4 und fT3!

TSH wird von der Adenohypophyse (dem Hypophysenvorderlappen) gebildet und ausgeschüttet. Es regt die Schilddrüse zur Bildung der Schilddrüsenhormone an und wirkt stimulierend auf das Wachstum der Schildddrüse. Bei Überproduktion (entsteht z.B. durch Iodmangel – TSH wird hier kompensatorisch erhöht) kann sich dadurch ein „Kropf“ bilden.
Umgekehrt wird die Ausschüttung von TSH durch die Schilddrüsenhormone gebremst.

Thyreopropin regt in der Schilddrüse die Jodaufnahme und auch die Produktion von T4 / T3 an. Steigt also die Konzentration von T4 und T3 im Blut an, sinkt gleichzeitig die Bildung von TSH. Werden T3 und T4 in ausreichender Menge ausgeschüttet, signalisiert dies, dass die Schilddrüse weniger stimuliert werden muss. Die Hypophyse und die Schilddrüse stehen so in einer engen „Verbindung“ und in regem „Austausch“. Sie bedingen und beeinflussen sich gegenseitig.

Zu den Schilddrüsenhormonen zählen weiterhin :

Iodthyronine

Hormone, die auf jodhaltigen Aminen aufgebaut sind.
Dazu zählen:

T4 – Thyroxin (Gesamt T4)

Thyroxin wirkt auf die Rezeptoren im Zentralnervensystem. Innerhalb einer Woche fällt die Konzentration im Körper um ungefähr die Hälfte ab, (wenn es nicht neu gebildet wird).

Bei einem Mangel dieses Hormons verschreibt der Arzt in der Regel das Präparat L-Thyroxin

fT4Freies Thyroxin

Referenzwert der meisten Labore: 9 – 24 pmol/l (0,7 – 1,8 oder 1,9 ng/dl)

fT4 – ist eigentlich das wichtigste Schilddrüsenhormon. Es gehört ebenfalls zu den Iodthyroninen und entfaltet seine Wirkung hauptsächlich über sein Stoffwechselprodukt Trijodthyronin (T3).

Für diagnostische Zwecke ist die Bestiummung von fT4 sinnvoller als die Bestimmung des Gesamt T4-Wertes.

T3 – Triiodthyronin (Gesamt T3)

Referenzwert der meisten Labore: 60 – 180 ng/dl

T3 wird zu 80% außerhalb der Schilddrüse gebildet und ist an Eiweiße gebunden. Es liegt daher nicht in der wirksamen, freien Form wie fT3 vor.

Erniedrigte Werte sind ein Hinweis auf eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), erhöhte Werte weisen auf eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose).

fT3Freies Trijodthyronin

Referenzwert der meisten Labore: 3,0 – 4,5 pg/ml

Die Umwandlung entsteht in verschiedenen Organen – zumeist in Leber, Niere und Muskeln).

Reverse T3 (rT3)

rT3 ist eine inaktive Form des T3. Es entsteht durch die Reiodierung des T4. Bei dem Umwandlungsprozess von T4 zu T3, der in der Leber stattfindet, wird dabei auch ein Teil T3 erzeugt. Die Umwandlung in rT3 findet nur statt, damit überschüssiges und somit nicht benötigtes T4 abtransportiert werden kann (dies kann zum Beispiel bei einer T4 Überdosierung stattfinden).
Die Kehrseite davon ist jedoch, dass ein erhöhtes rT3 die Umwandlung von T4 in T3 hemmt. fT3 und fT4 setzen sich auf die gleichen Rezeptorzellen. Im Gegensatz zu rT3 aktiviert fT3 jedoch den Rezeptor.
Bei einer hohen rT3-Produktion können so Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion entstehen, auch wenn die Werte normal erscheinen.
Dadurch ist der rT3 ein Wert, den es sich lohnt, bei der Schilddrüsenbehandlung mit zu erheben, da so auch versteckte Probleme entlarvt werden können.
rT3-Werte, die hoch-normal oder erhöhte sind, können also eine eingeschränkte Schilddrüsenfunktion anzeigen, auch wenn die anderen Schilddrüsenwerte in der Norm liegen. Oft steht diese Problematik bereits im Zusammenhang mit einer Dysfunktion der Mitochondrien (den Energiekraftwerken der Zellen).
Jegliche Krankheitsprozesse, die mit dieser Dysfunktion im Zusammenhang stehen, können demzufolge mit den oben erwähnten hoch-normalen oder erhöhten rT3-Werten zusammenhängen.
Zu diesen Krankheitsprozessen können gehören:

  • Insulinresistenzen bzw. Diabetes Mellitus
  • Adipositas
  • KPU / HPU
  • Migräne
  • Fibromyalgie
  • Depressionen
  • Angstzustände
  • bipolaree Störungen
  • neurodegenerative Erkrankungen
  • chronische Entzündungen und Infektionen
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Hypercholesterinämie / Hypertriglyceridämie

Über den rT3-Wert besteht also die Möglichkeit, unentdeckte Störungen der Schilddrüse aufzufinden. Somit ist der rT3-Wert ein sehr wichtiger Marker in der Beurteilung der Schilddrüsenfunktion.

weitere beteiligte Hormone der Schilddrüse

  • drei verschiedene Dijodtyronine (T2)
  • zwei verschieden Monoiodthyronine (T1)
  • Iodothyroacetate – das sind hormonell aktive Substanzen, die als Zwischenstufen oder Abbauprodukte aus anderen Schilddrüsenhormonen gebildet werden
  • Thyronamine – das sind ebenfalls hormonell aktive Substanzen, die als Zwischenstufen oder Abbauprodukte aus anderen Schilddrüsenhormonen gebildet werden. Ihre Funktion ist noch weitestgehend unerforscht.
  • Peptidhormone (Botenstoffe)
  • Calcitonin  – ein weiteres Peptidhormon. Es wird hauptsächlich in den so genannten C-Zellen der Schilddrüse gebildet. Geringere Anteile werden auch in der Thymusdrüse und der Nebenschilddrüse produziert.

Diese Hormone spielen in der Schilddrüsendiagnosik kaum bis garkeine Rolle.

Veröffentlicht in Allgemein, Hashimoto Thyreoiditis